
Wie geht es dir mit dem Winter?
Mit Dunkelheit und Kälte?
Mit der Ruhe?
Wünschst du dir schon den trubeligen Sommer zurück?
Oder kannst du das Einkuscheln und die Einladung zu Innenschau genießen?
In unserer modernen Zeit begegnen wir dem Winter, der Dunkelheit und Kälte darin, oft mit Vorbehalten, Angst oder Ablehnung. Außer beim Skifahren fällt es vielen schwer, diese Jahreszeit zu genießen. Das führt zu Vermeidung und/oder Kompensationsstrategien, z.B. die Flucht in wärmere Gefilde oder übertriebenen Konsum. Nicht selten leiden Menschen so sehr unter der Dunkelheit, dass sie körperlich oder seelisch krank werden. Oft sind diese Krankheiten Rufe der Seele, sich einem vergessenen Teil zuzuwenden. So sehe ich in den ansteigenden Zahlen von Depressionen, Burn-outs und Erschöpfungssyndromen die tiefe Sehnsuch nach Stille, nach Hinwendung zur Dunkelheit. Nach Nicht-Tun, Nicht-Müssen, Nicht-Wissen. Um dort „herauszufinden“ worum es eigentlich geht.
In der natülichen Ordnung des Lebens, die wir zum Beispiel im Lauf der Jahreszeiten verfolgen können, folgt auf einen luftig-leichten Frühling, in dem die Natur irgendwann förmlich explodiert, und einen Sommer, in dem die Früchte reifen und die ganze Lebendigkeit sichtbar wird, die Zeit des Erntens und Sinkens im Herbst. Unweigerlich lassen die Bäume ihr Laub fallen um dann auszuruhen.

Im Winter regenerieren die Lebewesen. Das Loslassen, Ruhen und die Auflösung schaffen die Voraussetzungen für den nächsten Zyklus. Die Blätter zerfallen und liefern damit Nährstoffe für eine neue Phase der Entfaltung im nächsten Frühjahr. Die Bärin ruht in ihrer Höhle und gebärt mitten in dunkelster Nacht die winzigen Bärenkinder. Einige Samen benötigen Frost und Kälte, um einen Wachstumsimpuls zu bekommen.
Und was machen wir Menschen? Viele spüren den Wunsch nach Ruhe – mehr Schlaf, Raunächte begehen. Doch an vielen Stellen nimmt der Stress sogar zu: Vor-Weihnachts-Besorgungen. Jahresend-Abrechnung für die Buchhaltung. Geschenke shoppen. Wer sich nicht bewusst Zeit nimmt für Ruhe und Stille landet schnell im sich immer weiter drehenden Hamsterrad des Alltags. Im never-ending-summer unserer Zeit. Manchmal kommt eine Erkältung zu Hilfe und schenkt die dringend notwendige Pause. Wenn wir uns darauf einlassen. Denn:
Wir können das Absinken und die Hinwendung zur Dunkelheit nicht überspringen!
Tun wir es doch, brennen wir uns selbst und die Erde aus. Für Entwicklung und die dringend notwendige (kollektive) Transformation braucht es das Nicht-Wissen und Nichts-Tun, um im Innersten etwas zu bewegen und nicht nur Schönheitskorrekturen vorzunehmen. Ohne den Kern zu berühren, werden wir uns weiter um uns selbst drehen. Wozu das führt sieht man in den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Die Krisen häufen sich – ökologisch, ökonomisch, psychologisch, soziologisch… Ist ja „logisch“. Die Angst vor wirklicher Transformation ist groß. Denn zur Transformation gehört das Loslassen, der Zerfall, das Vergehen. Und es steckt das Unbekannte darin. Wir wissen nicht, was nachher kommt. In der Entscheidung, sich auf Transformation einzulassen, liegt auch der Mut, dem Nicht-Wissen zu begegnen. Aus diesem Nichts, in dem Alles enthalten ist, kann sich dann Neues entwickeln. Das kann erst einmal erschreckend klingen und Angst machen. Es braucht Vertrauen und Zuversicht, um im Zerfall und Zusammenbruch auch Chancen sehen zu können.
Vertrauen zu stärken, uns selbst im Chaos und Herausforderungen nicht zu verlieren, das Gute zu sehen ohne die Probleme auszublenden – darin liegt die besondere Herausforderung der aktuellen Zeit. Was mich persönlich sehr stärkt ist die Verbindung mit Menschen, denen ich vertraue, die zuhören, die da sind, wenn es für mich allein zu viel wird.

Und mich trägt die Anbindung an die Natur, an Bäume, Flüsse, Tierwesen, das Wetter … Mich als Teil dieser großen Gemeinschaft zu begreifen, das zu benennen und zu feiern – das lässt die persönlichen oder kollektiven Krisen nicht verschwinden, aber es gibt mir die Kraft und den Mut, damit zu sein. Erst einmal einfach „nur“ das. Damit sein. Ohne schön zu reden, zu leugnen, durchzudrehen, in Aktionismus zu verfallen oder zusammen zu brechen. Und daraus, aus diesem Sein damit, kann sich der nächste Schritt entfalten.
Die Natur um uns macht uns vor, was auch in uns im Ur-Rhythmus Schritt für Schritt passiert (oder passieren sollte/könnte).
Jedes Jahr können wir im Rhythmus der Jahreszeiten den natürlichen Lauf der Dinge erleben. Und erfahren dabei, dass nach der Dunkelheit der Frühling IMMER kommt. Das schafft Vertrauen in die große Ordnung, in die auch unser Dasein eingebettet ist. Und die wir nicht mit ewigem Höher-Schneller-Weiter einfach übergehen können. Die Qualitäten des Jahreskreises bewusst zu erleben kann so die individuelle Resilienz fördern und Kraft, Ideen oder Mut freisetzen, die für den kollektiven Wandel dringend benötigt werden.
„Wenn euch Dunkelheit umhüllt, sagt: „Die Dunkelheit ist nur eine Morgendämmerung, die darauf wartet, geboren zu werden; und selbst wenn die Qualen der Nacht auf mir lasten, der Morgen wird geboren sein, in mir wie auf den Hügeln.““ (Khalil Gibran)
Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag zur Re-Naturierung leisten. Will Menschen dabei unterstützen, sich wieder an die große natürliche Ordnung anzubinden, sie zu erleben und zu er-innern. Denn die Erfahrung steckt in all unseren Zellen. Es braucht die Bewusstwerdung, um auch unser Handeln und Leben wieder darin einzubinden. Um lebensdienlich zu leben.

Dabei orientiere ich mich am re:nature Ansatz von Ursula und David Seghezzi sowie dem Lebenskompass, der die große natürliche Ordnung sichtbar, verstehbar und spürbar macht. Grundlage ist ein zyklisches und polares Weltbild sowie die Verortung hier in unserer mitteleuropäischen Landschaft. Ich arbeite traumainformiert, mit kreativem Selbstausdruck und vorwiegend im Freien.
Wenn auch du den Ruf nach Erforschung von Lebensdienlichkeit hörst freue ich mich, dich bald persönlich bei einem Ritual, in einem Konzert oder in einer Einzelbegleitung kennenzulernen. Abonniere gern meinen Newsletter für unregelmäßige aber wertvolle Informationen und Inspirationen.
Zum Abschluss möchte ich dich noch einladen, die poetisch-künstlerische Version meiner Auseinandersetzung mit Dunkelheit anzuhören. Es musizieren Eva Mäurer an Gitarre, Gesang und Trompete, sowie Clara Glas am Cello. Aufnahme und Mastering hat Karsten Zippe stimmungsvoll umgesetzt. (weitere Songs von meinem Album „Ich lebe!“ findet ihr bei allen bekannten Streaming-Plattformen)
Foto-Credits:
- Storch: https://pngimg.com/image/23892
- Baumkronen, Sonnenuntergang, Lebensrad: Eva Mäurer
- Eva am Baum: Nicole Nerger Fotografie


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